Viennale 2013 – Tag 5: Bluebird

“Bluebird” ist ein fantastischer kleiner, stiller Film über Schuld, und erzählt, wie ein tragischer Unfall das Leben verschiedener Personen auf den Kopf stellt. In dieser Hinsicht hat er mich an den letztjährigen “Margaret” erinnert, wobei das ja in erster Linie eine One-Woman-Show von Anna Paquin war und sich in erster Linie um ihre Titelperson drehte, während die Aufmerksamkeit in “Bluebird” auf mehrere Figuren verteilt ist. Beim Check des Schulbusses wird die Fahrerin Lesley von einem Vogel abgelenkt, und vergisst daraufhin, auch die restlichen Reihe zu überprüfen. Am nächsten Morgen findet sie einen kleinen Jungen mit Erfrierungen in einer der hinteren Reihen liegen. Lesley ist nicht die Einzige, der ein Vorwurf zu machen ist – hätte ihn doch eigentlich dessen Mutter (wobei ihr Sohn die meiste Zeit bei seiner Großmutter verbringt) vom Schulbus abholen sollen. Diese ist jedoch zu sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt und hat daher darauf vergessen. Ihr Sohn wird ins Krankenhaus gebracht und liegt dort im Koma. Nun versucht Lesley irgendwie, mit ihrem tragischen Versäumnis fertig zu werden. Seine Mutter Marla wiederum beschließt in eine Versuch, die Schuld einzig und allein Lesley zuzusprechen, einen Anwalt zu beauftragen. Sie behauptet zwar, es sei wegen des Geldes, meine Interpretation war jedoch viel mehr, dass es ihr um Absolution geht. Wenn ein Gericht feststellt, dass Lesley am Zustand ihres Sohnes schuldig ist – bedeutet das nicht zugleich, dass sich Marla nichts vorzuwerfen hat? An Lesleys Mann, der selbst in der Arbeit mit Problemen zu kämpfen hat, gehen die Ereignisse ebensowenig spurlos vorüber wie an ihrer Tochter Paula. Vor dem Hintergrund einer sterbenden Kleinstadt in Maine und der dortigen malerischen, wenn auch kalten und kargen Landschaft, entspinnt sich ein sehr gutes Drama, das zudem mit phantastischen schauspielerischen Leistungen aufwarten kann – wobei mich neben Amy Morton vor allem noch Loiusa Krause begeistert hat. Mein Höhepunkt: Die Konfrontation zwischen Lesley und Marla, die ich für eine der eindringlichsten und “ehrlichsten” Szenen des heurigen Kinojahres halte. Insgesamt ist “Bluebird” jedenfalls ein wirklich gelungenes, stilles, gemächliches und unaufgeregtes Drama, das aufzeigt, wie die Kumulation vereinzelter Missgeschicke und Zufälle Leben verändern und gar zerstören kann.
8/10

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Viennale 2013 – Tag 5: Tip Top

4 Tage und 8 Filme lang ists gut gegangen – heute habe ich dann aber leider doch meine erste Niete gezogen. “Tip Top” stand von vornherein nur auf meiner “Vielleicht”-Liste (dass ich ihn mir dann dich angesehen habe, ist in erster Linie meiner eigenen Dummheit bzw. Ignoranz zuzuschreiben, habe ich Bozon doch mit Ozon verwechselt, dessen “In ihrem Haus” mir letztes Jahr sehr gut gefallen konnte), und letztendlich hätte ich nichts verpasst, wenn ich ihn verpasst hätte. Schräge Figuren die sich schräg verhalten und schräge Dinge innerhalb eines schrägen Plots tun. Identifizieren konnte ich mich dabei leider mit niemandem, und auch die Krimihandlung war mir persönlich zu wirr – zumal ich teilweise Probleme damit hatte, die Figuren auseinander zu halten. Dass mich weder die Figuren noch der Plot wesentlich interessiert haben, war meinem Verständnis der Geschichte dabei bestimmt auch nicht förderlich. Letztendlich hatte ich aber auch nicht den Eindruck, dass der Regisseur selbst großes Interesse an der Kriminalgeschichte hatte. Viel wichtiger schien es ihm, seine schrägen Vögel in Szene zu setzen – und wenn ich sage schräg, bezieht sich das mehr auf ihr Verhalten generell und will ich das nicht als prüde Reaktion auf ihre ausgefallenen sexuelle Praktiken verstanden wissen. Sollen sie, wenn (und wie) sie wollen (wobei ich einiges – Stichwort Vorschlaghammer – dann doch für zu überzeichnet hielt, um noch glaubwürdig zu sein). Aber gerade auch beim Verhör bzw. den Ermittlungen schienen mir beide Hauptfiguren nicht glaubwürdig zu agieren. Sollten sie ja vielleicht auch gar nicht. Aber mich hat Bozon damit halt leider schnell verloren, bis ich das Ende des Films (der mir auch viel länger vorkam als die bei der IMDB ausgewiesenen 106 Minuten) schon nicht mehr erwarten konnte. Immerhin, Isabelle Huppert und Sandrine Kiberlain spielen gut. Und ja, zwei bis drei Szenen die die gewünschte amüsante Wirkung bei mir nicht verfehlt haben gabs dann ja doch noch. Aber davon abgesehen hatte mir “Tip Top” leider nichts zu bieten.
3/10

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Viennale 2013 – Tag 4: Fading Gigolo

“Fading Gigolo” ist zwar “nur” ein Film mit Woody Allen, könnte aber genauso gut mit und von Woody Allen sein – und das nicht nur, weil er in New York spielt. Auch was die Figurenzeichnung und die eher ruhige Erzählweise betrifft, zeigen sich Parallelen. Stattdessen ist der Film vielmehr das “Kind” von Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller (auch dies erinnert an Woody Allen) John Turturro, der hier einen sehr witzigen und charmanten Film abliefert. Neben Woody Allen stehen ihm dabei u.a. auch noch Sharon Stone, Vanessa Paradis, Sofia Vergara und Liev Schreiber zur Seite. Der Film selbst ist eher leichte Kost, und lebt in erster Linie von seinen Figuren sowie dem sich aus der Grundidee (ein Buchhändler der seinen Laden schließen muss stiftet seinen langjährigen Freund dazu an, sich doch mal als Gigolo zu versuchen, mit ihm als Zuhälter). Gut gefallen hat mir auch der interessante Einblick in die jüdische Kultur – was mich ein bisschen an “A Serious Man” von den Coen-Brüdern (in deren Filmen Turturro ja das eine oder andere Mal zu sehen war) erinnert hat. Inhaltlich darf man sich keine Wunder zu erwarten, und insgesamt war mir der Film schon fast wieder eine Spur zu seicht. Für einen amüsanten, charmanten Kinoabend ist mit diesem “Fading Gigolo” aber allemal gesorgt. 7/10

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Viennale 2013 – Tag 3: Tai Chi Hero (Taiji Yingxiong Jueqi)

Den Vorgänger, “Tai Chi Zero”, sah ich ja im letzten Jahr auf dem /slash Filmfestival, und so war ich froh, die Gelegenheit zu erhalten, mir auch die Fortsetzung wieder auf der großen Leinwand anzusehen – weshalb ich bislang auch darauf verzichtet hatte, ihn mir aus der Videothek auszuborgen. Zwar ist auch “Tai Chi Hero” wieder ein unterhaltsamer Film mit einer gehörigen Portion Witz und Charme, den Vorgänger fand ich aber besser. Der war irgendwie… schwungvoller, frischer, energiegeladener, verrückter. Und konnte zudem mit einem spektakulären, spannenden Showdown aufwarten. “Tai Chi Hero” setzt hingegen den großen Kampf gegen eine Armee schon etwas früher an; der nachfolgende Showdown besteht dann aus einer Art Endkampf gegen einen Kung Fu-Meister. In gewisser Weise mag das die logische Konsequenz gewesen sein, und der Kampf an sich war ja auch durchaus gelungen. Aber im Vergleich zu dem was davor kam halt doch auch irgendwie unspektakulär und antiklimaktisch. Nichtsdestotrotz bot auch “Tai Chi Hero” wieder gute Fantasy/Martial Arts-Unterhaltung; den Vorgänger fand ich aber insgesamt doch eine Spur besser.
6/10

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Viennale 2013 – Tag 3: Upstream Color

Mit Shane Carruths Erstling Primer (Review hier) konnte ich ja nur bedingt etwas anfangen. Dennoch sah ich “Upstream Color” nach einigen begeisterten Kritiken schon mit großer Vorfreude entgegen. Tatsächlich war es der einzige Film aus dem heurigen Programm der Viennale, den ich unbedingt sehen MUSSTE. Alles andere war optional. Leider kann ich wie schon bei “Primer” nicht so recht in die Jubelklänge einstimmen. Erneut war mir das Geschehen etwas zu abstrakt und unverständlich, als das ich so richtig in die Handlung hätte eintauchen können. Carruths zweiter Film ist wie schon der erste ein Rätsel. Zwar nicht mehr ganz so komplex wie “Primer”, blieben mir nichtsdestotrotz zu viele Fragen offen. Bzw. war ich wohl auch einfach zu dumm, um die Handlung vollständig verstehen zu können. Wie schon sein Vorgänger ist es aber auch bei “Upstream Color” nicht so, dass ich das Gefühl hatte, der Zuschauer solle sich – wie z.B. bei “2001 – Odyssee im Weltraum” oder ” Donnie Darko” – seinen eigenen Reim drauf machen und seine eigene Interpretation der Geschehnisse finden. Vielmehr bin ich mir sicher, dass für Carruth alles Sinn ergibt. Zumindest bei mir ist er aber daran gescheitert, diesen auch über die Kinoleinwand zu vermitteln. Zwar gut inszeniert und mit einer tollen zentralen Performance von Amy Seimetz, bot letztendlich auch sein zweiter Spielfilm wieder eher Denksport als Gefühlskino. 6/10

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Viennale 2013 – Tag 3: Gold

Ein Spätwestern über den Goldrausch – für einen deutschen Film doch eher ungewöhnlich. Als größte Stärke erweisen sich dabei die eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen, die sowohl die Schönheit als auch die Abgeschiedenheit und Einsamkeit welcher sich die Goldsucher auf ihren “trails” damals gegenübersahen sehr gut zur Geltung bringt. Auch die Wahl einer weiblichen Hauptfigur (dargestellt von Nina Hoss) empfand ich als positiv. Leider bleiben im zu Beginn recht großen Figurenensemble die meisten von ihnen doch eher auf der Strecke, und selbst Emily lernen wir nur am Rande kennen. Daher fehlte es mir ein bisschen an der Identifikation mit den Figuren. Zudem verläuft die Handlung recht vorhersehbar, und für meinen Geschmack auch zu langsam. Wenn ein Film gerade mal rund 100 Minuten geht, es aber sich wie mehr als zwei Stunden anfühlt – und das nicht etwa, weil handlungstechnisch so viel los gewesen wäre – ist das nie ein gutes Zeichen. Und so empfand ich “Gold” leider, abseits einzelner. Höhepunkte, doch als ein wenig zäh. Fans des Genres die eine etwas anderen Blick auf diese Zeit – nämlich aus der Sicht deutscherer Einwanderer – und den Goldrausch erleben wollen, sind hier – so sie sich mit der gemächlichen Erzählweise anfreunden können – genau richtig. 6/10

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Viennale 2013 – Tag 3: Prince Avalanche

David Gordon Green hat sich in den letzten Jahren in erster Linie als Regisseur von Anarcho-Komödien (“Pineapple Express”, “Your Highness”, “Bad Sitter”) einen Namen gemacht. Mit “Prince Avalanche” entfernt er sich doch relativ weit davon, ist der Humor hier doch deutlich subtiler und der Film insgesamt sehr ruhig und schlicht. Paul Rudd und Emile Hirsch spielen zwei Straßenarbeiter, die auf einer eher abgelegenen Waldstraße Straßenmarkierungen setzen. Beide scheinen unterschiedlicher nicht sein zu können: Während Alvin (Rudd) fest liiert ist und seiner Freundin laufend Geld von seiner Arbeit schickt, ist Lance (Hirsch) ungebunden und denkt in erster Linie daran, am nächsten Wochenende zum Schuss zu kommen – am liebsten mit der Freundin seines besten Freundes. Was die beiden verbindet: Lance ist der junge Bruder von Alvins Freundin. In der verhältnismäßigen Einsamkeit des Waldes entsteht jedoch langsam aber sicher ein Band der Freundschaft. Inhaltlich gibt es zum Film nicht viel zu sagen. Er lebt eher von den Dialogen, vereinzelten witzigen Szenen sowie der Chemie der beiden Hauptdarsteller. Insgesamt nichts besonderes, aber durchaus unterhaltsam. Einzig das mit der alte Frau wirkt etwas zu skurril (und potentiell übersinnlich) für so einen ansonsten sehr geradlinigen und bodenständigen Film. Davon abgesehen aber eine nette, besinnliche Tragikomödie über die in der Einsamkeit sprießenden Freundschaft zweier sehr unterschiedlicher Männer. 6/10

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Viennale 2013 – Tag 2: The Guillotines (Xue di zi)

“The Guillotines” ist der neueste Film von Andrew “Andy” Lau, der u.a. für die “Infernal Affairs”-Reihe verantwortlich ist. “Xui di zi” fand ich allerdings leider doch etwas durchwachsen. Grundsätzlich sieht der Film phantastisch aus und bis auf wenige Ausnahmen (die jedoch auch auf meine Brille zurückzuführen sein könnten) war das 3D sehr gut eingesetzt. Allerdings… angesichts angeblicher zu Beginn geschilderter historischer Fakten, die für mich in starkem Widerspruch zu so phantastischen Elementen wie den titelspendenden Waffen – so eine Art Metall-Frisbees die mittels eines Krummschwerts auf die Opfer geworfen werden und sich dort dann um den Hals legen – standen, weshalb ich doch etwas gebraucht habe um in den Film hineinzufinden. Zudem war ich anfangs verwirrt, zu wem ich denn eigentlich halten soll – denn beim ersten Auftritt der Guillotines hielt ich diese, ohne jegliche Vorkenntnis über den Film, noch für die Bösewichte, und den “Wolf” für den Guten. Ganz so unrecht sollte ich damit zwar nicht haben, aber dieser erste Eindruck sorgte auchd afür dass es doch eine Weile gedauert hat, bis ich mit den Guillotines zu sympathisieren begann. Auch hat der Film meines Erachtens die eine oder andere Länge. In erster Linie sind mir starke, gelungene Einzelszenen positiv in Erinnerung geblieben. Lau dreht ein paar Mal ordentlich an der Pathos-Schaube, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Dies führt dann allerdings auch zu einigen optisch imposanten und ansatzweise berührenden szenen, wie den vor den Trümmern seiner “Stadt” stehende Wolf. Generell war der letzte Angriff überwiegend phantastisch – wie die Guillotines gegenüber den modernen Waffen chancenlos sind. Auch der Tod einer Figur war wunderbar umgesetzt. Aber dann gibt es auch immer wieder jene Momente, wo es Lau verkackt. Siehe der angesprochene Tod einer Person, wo dann plötzlich mitten in Film eine Art Popsong eingespielt wird und die Stimmung der Szene völlig ruiniert. Gut, ok, ich habe den Text natürlich nicht verstanden – aber auf mich wirkte das einfach nur unfreiwillig komisch. “The Guillotines” ist voll solcher seltsamer Regieentscheidungen, wie z.B. auch die ständig aus den Augen kullernden Tränen. Das kommt so oft vor, dass ich auch dies mit der Zeit nur mehr unfreiwillig komisch fand. Von einigen völlig überzogen theatralischen Szenen ganz zu schweigen. Aber… wenn’s Lau richtig hinbekommt, dann bekommt er es auch RICHTIG richtig hin, und dann kann “The Guillotines” gefallen. Fans des Martial Arts-Kinos sollten dem Film daher bei Gelegenheit mal eine Chance geben.
5/10

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Viennale 2013 – Tag 2: Nebraska

“Nebraska” ist genau so ein Film, wie man es von Alexander Payne zu erwarten gelernt hat. So gekonnt wie kaum ein anderer verschmelzt er auch hier wieder Humor und Tragik zu einem ungemein unterhaltsamen Mix. Mal ernst, dann wieder zum Schreien komisch, erzählt er von der Odyssee zweier Männer – Woody Grant und sein Sohn David – auf ihrem Weg nach Lincoln, Nebraska, um einen angeblichen Millionengewinn abzuholen. David ist bewusst, dass es sich dabei um einen Schwindel handelt, gibt jedoch schließlich seinem sturen Vater nach. Ihr Road Trip entwickelt sich dabei schon bald in eine Reise in Woodys Vergangenheit, die für David einige Überraschungen bereit hält und dazu führt, dass Vater und Sohn trotz aller Hindernisse näher zueinanderfinden. Den Humor verdankt der Film dabei vor allem der Familiendynamik – wobei Alexander Payne diese einerseits zelebriert und andererseits demontiert. Auch der Geschichte rund um die gewonnene Million, die als die Bewohner von Woodys Heimatstadt davon erfahren zunehmend außer Kontrolle gerät, verdankt “Nebraska” viel an Humor. Gespickt mit zahlreichen amüsanten, bittersüßen Szenen sowie auch dem einen oder anderen traurig-nachdenklicheren und auch berührenden Moment, und getragen von phantastischen schauspielerischen Leistungen (allen voran von Bruce Dern) bietet der Film damit beste Unterhaltung mit viel Humor, Hirn und Herz. Ein typischer Film von Alexander Payne, eben.
8/10

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Viennale 2013 – Tag 1: Inside Llewyn Davis

So, um nicht gleich schon nach dem ersten Tag in Rückstand zu geraten, will ich jetzt schnell bevor ich zum Gartenbaukino aufbreche meine ersten Eindrücke zum heurigen Eröffnungsfilm bloggen. “Inside Llewyn Davis” ist der neueste Film der Coen-Brüder, und bleibt ihrer gewohnt hohen Qualität treu. Ein zwar sehr ruhiger und teils lakonischer, aber nichtsdestotrotz sehr unterhaltsamer Film, mit einigen wirklich witzigen Szenen. Für mich als Katzen-Fan und -Besitzer stachen vor allem die entsprechenden Szenen ganz besonders hervor. Es ist immer wieder köstlich zu sehen, wie Leute, die eben an Katzen zu Hause nicht gewohnt sind so Fehler machen, wie dass sie ihnen bei der Tür rauslaufen oder beim Fenster rausspringen. Das fand ich köstlich :-). Generell durchzieht den Film ein sehr feiner Humor, Getragen wird er darüber hinaus vor allem von den glänzenden schauspielerischen Leistungen. Oscar Isaac, den ich bisher eher aus Nebenrollen kannte (z.B. “Drive”, “The Bourne Legacy” und “Sucker Punch”), brilliert hier in der Titelrolle, und mach uns Llewin Davis trotz seiner oftmals nicht gerade charmanten Art und so mancher nicht unbedingt höflicher Taten sympathisch. Er schafft es, uns die Liebe der Figur zur Musik spüren zu lassen, weshalb man ihm auch wünscht, damit erfolgreich zu sein. Außerdem hat er eine wunderschöne Stimme, und erweckt die zahlreichen Musikstücke die er zum besten gibt so richtig zum Leben. Neben ihm stach mir vor allem ncoh die Performance von Carey Mulligan ins Auge, die hier wieder einmal ihr Talent und ihre Wandlungsfähigkeit (und ganz kurz auch ihre hübsche Stimme) unter Beweis stellt. In Nebenrollen sind darüber hinaus u.a. noch John Goodman (eh klar), Justin Timberlake, Ethan Phillips, Adam Driver, Garrett Hedlund und F. Murray Abraham zu sehen.

Ein wichtiger Bestandteil des Films ist natürlich auch die Musik. “Inside Llewyn Davis” ist ein echter Ohrenschmaus, mit zahlreichen wundervollen Musikstücken, die genau meinen Geschmack getroffen haben. Zwar weiß ich durchaus auch andere musikalische Richtungen zu schätzen, in den letzten Jahren habe ich jedoch – wohl als “Rebellion” gegen den Techno-Schaden den ich als Jugendlicher in den 90ern praktisch zwangsweise erlitten habe – zunehmend eine Wertschätzung für ganz schlichte, reduzierte Musik Marke “Singer/Songwriter mit Gitarre” entwickelt. Die Musik in diesem Film schlägt genau in diese Kerbe, dementsprechend liegt der Soundtrack auch schon auf meinem amazon.de-Wunschzettel. Wichtig ist, sich vor Augen zu halten, dass die Coen-Brüder hier eher einen Einblick in die Welt eines Künstlers geben und bestimmte Stimmungen vermitteln wollen, als eine Geschichte zu erzählen. Inhaltlich passiert nämlich genau genommen nicht viel. Auch große Charakterentwicklungen sollte man sich nicht erwarten – die große Läuterung bleibt bei “Inside Llewyn Davis” aus. Auch das fand ich sehr gelungen und irgendwie auch realistisch. Das einzige echte Manko dass ich vorbringen würde, ist eine gewisse Banalität. Eben deshalb, da der Film inhaltlich eher auf Sparflamme köchelt und die großen Entwicklungen fehlen, könnte sich der eine oder andere danach nach dem Sinn des ganzen fragen. Ein bisschen mehr “Fleisch” hätte es für meinen Geschmack schon sein dürfen. Ach ja, und den Road Trip hätten sie auch ein bisschen kürzen können. Da drohte “Inside Llewyn Davis” nämlich kurzzeitig ein bisschen die Luft auszugehen (wobei mir eine ganz bestimmte Szene – Stichwort “the road not taken” – verdammt gut gefallen hat. Hier spielen die Coens sehr clever mit der Erwartungshaltung des Zuschauers udn machen genau das Gegenteil davon, womit man eigentlich rechnen würde). Davon abgesehen aber ein vielversprechender Einstieg in die diesjährige Viennale – so darf es ruhig weitergehen!
8/10

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