Viennale 2013 – Tag 1: Inside Llewyn Davis

So, um nicht gleich schon nach dem ersten Tag in Rückstand zu geraten, will ich jetzt schnell bevor ich zum Gartenbaukino aufbreche meine ersten Eindrücke zum heurigen Eröffnungsfilm bloggen. “Inside Llewyn Davis” ist der neueste Film der Coen-Brüder, und bleibt ihrer gewohnt hohen Qualität treu. Ein zwar sehr ruhiger und teils lakonischer, aber nichtsdestotrotz sehr unterhaltsamer Film, mit einigen wirklich witzigen Szenen. Für mich als Katzen-Fan und -Besitzer stachen vor allem die entsprechenden Szenen ganz besonders hervor. Es ist immer wieder köstlich zu sehen, wie Leute, die eben an Katzen zu Hause nicht gewohnt sind so Fehler machen, wie dass sie ihnen bei der Tür rauslaufen oder beim Fenster rausspringen. Das fand ich köstlich :-). Generell durchzieht den Film ein sehr feiner Humor, Getragen wird er darüber hinaus vor allem von den glänzenden schauspielerischen Leistungen. Oscar Isaac, den ich bisher eher aus Nebenrollen kannte (z.B. “Drive”, “The Bourne Legacy” und “Sucker Punch”), brilliert hier in der Titelrolle, und mach uns Llewin Davis trotz seiner oftmals nicht gerade charmanten Art und so mancher nicht unbedingt höflicher Taten sympathisch. Er schafft es, uns die Liebe der Figur zur Musik spüren zu lassen, weshalb man ihm auch wünscht, damit erfolgreich zu sein. Außerdem hat er eine wunderschöne Stimme, und erweckt die zahlreichen Musikstücke die er zum besten gibt so richtig zum Leben. Neben ihm stach mir vor allem ncoh die Performance von Carey Mulligan ins Auge, die hier wieder einmal ihr Talent und ihre Wandlungsfähigkeit (und ganz kurz auch ihre hübsche Stimme) unter Beweis stellt. In Nebenrollen sind darüber hinaus u.a. noch John Goodman (eh klar), Justin Timberlake, Ethan Phillips, Adam Driver, Garrett Hedlund und F. Murray Abraham zu sehen.

Ein wichtiger Bestandteil des Films ist natürlich auch die Musik. “Inside Llewyn Davis” ist ein echter Ohrenschmaus, mit zahlreichen wundervollen Musikstücken, die genau meinen Geschmack getroffen haben. Zwar weiß ich durchaus auch andere musikalische Richtungen zu schätzen, in den letzten Jahren habe ich jedoch – wohl als “Rebellion” gegen den Techno-Schaden den ich als Jugendlicher in den 90ern praktisch zwangsweise erlitten habe – zunehmend eine Wertschätzung für ganz schlichte, reduzierte Musik Marke “Singer/Songwriter mit Gitarre” entwickelt. Die Musik in diesem Film schlägt genau in diese Kerbe, dementsprechend liegt der Soundtrack auch schon auf meinem amazon.de-Wunschzettel. Wichtig ist, sich vor Augen zu halten, dass die Coen-Brüder hier eher einen Einblick in die Welt eines Künstlers geben und bestimmte Stimmungen vermitteln wollen, als eine Geschichte zu erzählen. Inhaltlich passiert nämlich genau genommen nicht viel. Auch große Charakterentwicklungen sollte man sich nicht erwarten – die große Läuterung bleibt bei “Inside Llewyn Davis” aus. Auch das fand ich sehr gelungen und irgendwie auch realistisch. Das einzige echte Manko dass ich vorbringen würde, ist eine gewisse Banalität. Eben deshalb, da der Film inhaltlich eher auf Sparflamme köchelt und die großen Entwicklungen fehlen, könnte sich der eine oder andere danach nach dem Sinn des ganzen fragen. Ein bisschen mehr “Fleisch” hätte es für meinen Geschmack schon sein dürfen. Ach ja, und den Road Trip hätten sie auch ein bisschen kürzen können. Da drohte “Inside Llewyn Davis” nämlich kurzzeitig ein bisschen die Luft auszugehen (wobei mir eine ganz bestimmte Szene – Stichwort “the road not taken” – verdammt gut gefallen hat. Hier spielen die Coens sehr clever mit der Erwartungshaltung des Zuschauers udn machen genau das Gegenteil davon, womit man eigentlich rechnen würde). Davon abgesehen aber ein vielversprechender Einstieg in die diesjährige Viennale – so darf es ruhig weitergehen!
8/10

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