Ich /slash mich weg – Tag 10: You’re Next

Ha, bei den nächsten drei Vorstellungen des /slash Filmfestivals kann ich es mir wieder leicht machen. Alle drei schon für fictionBOX besprochen. Zuerst wie gewohnt der Link zum etwas hübscher gestalteten Review, danach eine Wiedergabe des Review-Textes: Review auf fictionBOX

“You’re Next” ist einer jener Filme, die bereits in zwei Ausgaben meiner jährlichen KinoVorschau vorgekommen sind. Produziert wurde “You’re Next” nämlich bereits 2011, und konnte danach bei einigen Festivals positives Feedback bis hin zu überschwänglichen Kritiken auf sich verbuchen. Dementsprechend gespannt war ich auch schon auf diesen Film – und hatte dank des /slash Filmfestivals (wo ich offen gestanden eigentlich schon letztes Jahr auf ihn gehofft hatte) sogar die Gelegenheit, ihn noch ein paar Wochen vor dem offiziellen Kinostart zu sehen. In diesem Fall ist die späte Veröffentlichung hierzulande aber nicht einmal darauf zurückzuführen, dass sich kein deutscher Verleih gefunden hätte. Vielmehr startete “You’re Next” auch in den USA erst Ende August des heurigen Jahres gestartet. Der Grund für diese Verzögerung ist mir offen gestanden nicht ganz klar, denn auch wenn ich nicht ganz in ähnliche Begeisterungsstürme verfallen kann wie so manch andere Horror-Fans und mich doch das eine oder andere gestört hat, ist er nichtsdestotrotz ein gelungener “Home Invasion”-Film, der Genrefans sehr gut unterhalten sollte.

Jenes Element, das dabei am meisten hervorsticht, ist Breakout-Star Sharni Vinson als Survival-Expertin Erin, mit der die Angreifer nicht gerechnet haben, und die ihnen einen unerbittlichen Kampf auf Leben und Tod liefert. Ihr gehören die mit Abstand besten Szenen des Films, von denen nicht wenige vom /slash-Publikum heftig bejubelt wurden. Sharni Vinson zeigt hier eine phantastische Performance, und empfiehlt sich für weitere Aufgaben – und das nicht nur unbedingt im Horror-Genre (wenn ihr auch dort – entsprechende Rollen vorausgesetzt – eine strahlende Zukunft bevorstehen könnte). Was “You’re Next” in einigen Bereichen ebenfalls gut gelingt, ist mit den Erwartungen des Zuschauers zu spielen, bzw. auch eine gewisse Erwartungshaltung aufzubauen. Wenn z.B. in einer Szene eine Axt herumliegt, kann man sich fast sicher sein, dass diese im weiteren Verlauf des Films Verwendung findet – und wartet als Zuschauer schon richtiggehend darauf. Auf die Spitze getrieben wird dies schließlich mit einer ganz bestimmten Falle, die Erin baut. Das war wahrlich meisterlich. Die Inszenierung ist ebenfalls sehr kompetent, und fand in meinen Augen genau die richtige Mischung aus dichter Atmosphäre, Schockmomenten, und dem Einsatz von Gore-Effekten. Die schauspielerischen Leistungen können auch abseits von Sharni Vinson gefallen, wobei für mich abgesehen von ihr vor allem noch Wendy Glenn hervorstach. Und der Soundtrack ist ebenfalls sehr gelungen – wobei mir im Falle von “You’re Next” sogar ausnahmsweise mal der Einsatz eines Liedes (“Looking for the Magic” von Dwight Twilley, das ich ja sehr gerne auf legalem Wege beziehen würde, wenn man mir nur die Gelegenheit dazu geben würde) stärker und positiver aufgefallen ist, als die Filmmusik an sich.

Ein paar Aspekte verhinderten jedoch für mich den ganz großen Wurf. Hier ist in erster Linie die Motivation der Angreifer zu nennen, die an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden soll. Zwar stimmt es, dass wir ähnliches in den letzten Jahren – soweit mich meine Erinnerung nicht trügt – nicht gesehen haben, mir persönlich war es aber dann doch ein wenig zu banal, und auch ansatzweise unglaubwürdig. Ins gleiche Horn stößt eine bestimmte Wendung, auf die ich persönlich hätte verzichten können. Und nach den Offenbarungen zuvor war der Twist am Ende leider sehr vorhersehbar. Immerhin nutzte man ihn für eine letzte, großartige Konfrontation, wo man mich in einer bestimmten Hinsicht (ich muss hier leider sehr vage bleiben, um euch nichts zu verraten) nicht 100%ig sicher war, wie es wohl ausgehen würde. Diese ganz bestimmte Szene hat mir demnach wirklich gut gefallen, und zugegebenermaßen wäre sie ohne die anderen mich weniger überzeugende Aspekte zuvor nicht möglich gewesen. Insgesamt, über den kompletten Film betrachtet, hat dies “You’re Next” für mich aber dennoch eher runtergezogen als aufgewertet.

Fazit: “You’re Next” ist meines Erachtens leider nicht ganz das meisterhafte Horror-Kleinod, wie uns das manche Reviews vom Festivalzirkus in den letzten beiden Jahren weismachen wollten. So ist die Handlung nichts Besonderes, wimmelte es für meinen Geschmack etwas zu sehr an Figuren die teilweise schwer zum auseinanderhalten waren und nur dazu da waren um den Killern ausreichend Kanonenfutter zu liefern, und vor allem die Motivation der Angreifer war mich zu banal, und machten es mir offen gestanden auch etwas schwer, das ganze Geschehen zu schlucken. Zudem war mir nach dieser Offenbarung ein Twist zum Ende des Films viel zu klar. Trotz dieser Schwächen bietet “You’re Next” solide Unterhaltung, und sollte sich vor allem in einer Kinovorstellung mit echten, begeisterten Horror-Fans als “crowd pleaser” beweisen. Neben der kompetenten Regie und der guten Musikauswahl liegt dies wohl in erster Linie an Survival-Expertin Erin, welche die Familie dazu anleitet, zurückzuschlagen. Manche mögen in ihr nur eine Abwandlung des typischen “final girls” sehen, aber ich fand es sehr erfrischend, wie früh sie den Kampf gegen die Angreifer aufnimmt. Außerdem ist Sharni Vinson in der Rolle einfach nur phantastisch. Jedenfalls ist Erin – dank Drehbuch und Performance – das positivste, hervorstechendste und denkwürdigste Merkmal eines ansonsten nur leicht überdurchschnittlichen Films. Ihre Szenen allein sind es meines Erachtens schon wert, ihn sich bei Gelegenheit anzuschauen.
7/10

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