Ich /slash mich weg – Tag 10: Hatchet III

Review auf fictionBOX (inkl. Links zu meinen Reviews der ersten beiden Teile, die ich mir im Zuge des heurigen Halloween-Specials vorgeknöpft habe).

Wie schon der unmittelbare Vorgänger ist auch “Hatchet III” ein reines “more of the same”-Sequel, das sich damit begnügt, den ersten Film ein weiteres Mal aufzuwärmen, und es an neuen Ideen vermissen lässt. Nun muss man fairerweise anmerken, dass schon “Hatchet” nicht der originellste Film war und sich stark an den Fun-Splattern der 80er und 90er orientiert hat. Auch dort gab man sich ja schon damit zufrieden, einen soliden Genrevertreter abzuliefern, anstatt zu versuchen diesem neue, innovative Aspekte abzugewinnen. Man könnte somit sagen, dass sich die Fortsetzungen was ihre Ideenlosigkeit betrifft durchaus in der Tradition von Teil 1 bewegen. Diesem hat sie aber insofern nicht so sehr geschadet, als das die Fun-Splatter in den 0er Jahren doch ziemlich aus der Mode gekommen sind und es kaum Vertreter dieses Subgenres gab. So gesehen hatte “Hatchet” durchaus seine Daseinsberechtigung. Ob man diesem ohnehin schon nicht sonderlich originellen Film aber tatsächlich noch zwei ähnlich ideenlose Aufgüsse nachschieben musste, sei dahingestellt.

Schafft man es, über dieses Manko hinwegzusehen, und ist man generell ein Freund solch blutiger Unterhaltung, lässt sich aber auch mit “Hatchet III” wieder durchaus Spaß haben. Tatsächlich hat er mir sogar einen Hauch besser gefallen als der ultimative Vorgänger – was vor allem daran liegt, dass man uns diesmal eine ähnlich konstruierte Motivation dafür, warum sich Marybeth erneut in den Sumpf begibt, erspart. Tatsächlich macht sich Adam Green in seinem Drehbuch sogar selbst über diese Wendung aus dem Vorgänger lustig, und lässt die Reporterin sinngemäß sagen, dass Marybeths Geschichte, dass sie in den Sumpf zurückgekehrt ist um die Überreste ihres Vaters und ihres Bruders zu bergen so ziemlich das Dümmste ist, dass sie jemals gehört hat. Ich mag es, wenn Filmemacher selbstkritischen Humor in ihre Werke einfließen lassen. Generell durchzieht auch “Hatchet III” wieder eine feine Spur an Ironie, die deutlich macht, dass man den Film nicht völlig ernst nehmen soll. Besonders deutlich zeigte sich dies für mich in der neuerlichen Rückkehr von Parry Shen; anstatt aus den Zwillingen jetzt sogar noch Drillinge zu machen, wundert man sich einfach dass man im Sumpf eine Leiche findet die genauso aussieht wie er. Man versucht erst gar nicht mehr, dies zu erklären, sondern stellt es als gegeben, als reinen Zufall, hin. Dieses Gefühl des Augenzwinkerns umgibt den ganzen Film – wobei sich der Humor überwiegend auch wieder auf dieses Element beschränkt und sich schon wie bei “Hatchet II” die echten, reinen Gags und/oder auch der charakterbezogene Humor im Vergleich zum ersten Teil der Reihe vergleichsweise rar machen.

Was man der Reihe aber trotz aller Ideenlosigkeit zu Gute halten muss, ist wie es ihr gelingt ein Gefühl der Eskalation zu vermitteln. Im ersten Teil sah sich Victor Crowley einem bunt zusammengewürfelten Haufen an Touristen gegenüber. Im zweiten bekam er es immerhin schon mit Jägern und Söldnern zu tun. Diesmal rufen die Leichen generell zuerst die Polizei und dann sogar eine Sondereinheit des Militärs auf den Plan. Dadurch wird der Action-Anteil noch einmal ein wenig erhöht, und es gibt dem Ganzen – auch wenn es letztendlich natürlich erst recht wieder auf das Gleiche hinausläuft, nämlich dass wir dabei zusehen wie einer nach dem anderen ins Gras beißt – zumindest ein bisschen eine andere Dynamik. Darüber hinaus gelang es “Hatchet III” im Gegensatz zum unmittelbaren Vorgänger, die eine oder andere wirklich spannende Szene zu kreieren, wobei für mich vor allem alles auf dem Boot hervorstach. Und generell fand ich den Film doch ein bisschen unterhaltsamer als “Hatchet II” – mit dem ersten Teil kann er es diesbezüglich aber natürlich nicht aufnehmen.

Im Vergleich zum zweiten Teil, wo sie stark im Mittelpunkt stand, rückt Marybeth im dritten Teil wieder ein bisschen aus dem Zentrum der Aufmerksamkeit heraus, was ebenfalls eher an den ersten Teil erinnert, wo sie ja lange Zeit nur wie eine Nebenfigur gewirkt hat, und wir die Handlung für lange Zeit in erster Linie aus der Sicht einer gänzlich anderen Figur verfolgt haben. Nichtsdestotrotz gehören ihr auch diesmal wieder einige der besten Szenen des Films. Schon allein wie sie in der Polizeistation steht, völlig blutüberströmt und mit Victor Crowleys abgehacktem Kopf in der Hand. Und auch der finale Showdown im Sumpf war wieder einmal phantastisch. Hierzu sei gleich festgehalten, dass “Hatchet III” zwar als das Finale der Trilogie angepriesen wird – und da eine Trilogie ja aus drei Filmen besteht, lügt man damit ja auch nicht mal. Zugleich hält man sich aber meines Erachtens auf recht eindeutige Art und Weise noch Spielraum für eine potentielle weitere Fortsetzung offen. Es ist also keinesfalls ein völlig eindeutiges, klar abgeschlossenes Ende. Tatsächlich fand ich die Art und Weise wie eine mögliche Erklärung dafür geschaffen wird, warum es Marybeth und Co. doch nicht gelingt Victor Crowley endgültig in die ewigen Jagdgründe zu schicken derart offensichtlich und aufdringlich, dass ich eigentlich schon erwartet hätte, man würde das Schlupfloch überhaupt gleich am Ende dieses Films aktivieren. Jedenfalls hängt die Frage, ob es eine weitere Fortsetzung geben wird oder nicht, letztendlich wohl vom Erfolg von Teil 3 ab, und ist wie gesagt keineswegs ausgeschlossen. Ob “Hatchet IV” denn überhaupt wünschenswert wäre, darüber kann man geteilter Ansicht sein. Zwar fand ich Teil 3 wieder eine Spur besser als den überwiegend misslungenen zweiten Teil. Dennoch denke ich, kann man ein Gericht nur so oft aufwärmen, bevor es schal schmeckt. Letztendlich würde ich es wohl vorziehen, wenn sie es jetzt gut sein lassen, da “Hatchet III” immerhin noch einen soliden Abschluss für die Reihe bieten würde.

Fazit: “Hatchet III” hat mir wieder eine Spur besser gefallen als der doch eher schwache zweite Teil, und mich insgesamt auch wieder besser unterhalten. In erster Linie liegt dies daran, dass man sich nicht wieder so eine haarsträubende Motivation ausgedacht hat, um Marybeth neuerlich in den Sumpf zu schicken. Auch den selbstkritischen Humor wusste ich sehr zu schätzen – wie überhaupt den Film wieder ein herrlicher augenzwinkernder Grundton umgibt der klar macht, dass man ihn nicht ganz ernst nehmen soll. Und die Polizei und das Militär auf Victor Crowley zu hetzen, war durchaus mal eine interessante, nette Idee, die für ein paar gute Szenen gesorgt hat. Ähnlich amüsant und unterhaltsam wie “Hatchet” ist jedoch auch der dritte Teil leider wieder nicht. Vor allem die Figuren fand ich neuerlich längst nicht so interessant und lustig wie beim ersten Film der Reihe. Und generell begnügt sich auch “Hatchet III” in erster Linie wieder damit, altbekanntes neu aufzuwärmen, und lässt es überwiegend an neuen Ideen vermissen. So hat man letztendlich doch das Gefühl, all das schon mehrmals gesehen zu haben. Bei “Hatchet III” mögen sie die Kurve gerade noch so gekratzt haben, aber ich hege große Zweifel, ob ihnen das auch ein viertes Mal noch gelingen würde – weshalb mich das recht offensichtliche Schlupfloch das man sich für eine weitere Rückkehr von Victor Crowley offen hält doch eher mit Sorge als mit Vorfreude erfüllt.
5/10

This entry was posted in /slash, Kino 2013. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s