Ich /slash mich weg – Tag 7: Haunter

Kurz bevor das komplette Programm des diesjährigen /slash Filmfestivals online gestellt wurde, hatte ich noch drei Filme, auf die ich stark gehofft hatte und die mir bis dahin noch gefehlt hatten: Byzantium, You’re Next und Haunter. Ersteren werde ich wohl nun leider in der Tat nicht auf der großen Leinwand sondern nur zu Hause im Heimkino zu Gesicht bekommen. Zweiterer war dann die große Überraschung die sich die Verantwortlichen für die Veröffentlichung des Programms aufgehoben hatten und war der offizielle Abschlussfilm (auch wenns danach noch zig weitere Vorstellungen gab – wie auch immer das funktionieren soll *g*). Und Haunter war mein heißer Tipp für den heurigen Überraschungsfilm. Immerhin durchzog das komplette Programm heuer eine gewisse “Haunted House”-Thematik – was sich ja auch im offiziellen Poster wiederspiegelte. Da würde “Haunter” doch eigentlich perfekt hineinpassen, oder? Und siehe da… der Vorhang geht auf, im Saal wirds dunkel, und nach den Firmencredits erscheint auf einmal “Abigail Breslin” – und ich freue mich riesig. Nicht “nur”, weil ich damit noch einen zweiten meiner drei Wunschfilme zu sehen bekam. Ich hab noch dazu zum ersten Mal einen Überraschungsfilm erraten! 🙂

Meine Vorfreude sollte sich dann auch als durchaus berechtigt herausstellen – denn mir hat “Haunter” wirklich sehr gut gefallen. Ich bin ja generell ein kleiner Fan von Vincenzo Natali, der wenn schon sonst nichts wenigstens visuell sehr ansprechende Filme inszeniert. Von seiner TV-, Doku- und Kurzfilm-Arbeit abgesehen kenne ich seine komplette Filmographie (“Cube”, “Cypher”, “Nothing” und “Splice”), und fand jeden davon gut bis sehr gut. “Haunter” sehe ich dabei auf einer Stufe mit seinem Erstling, der bis dahin für mich auch seinen bislang besten Film dargestellt hat. Wenn man das Konzept des Films hört, werden zwar einige “The Others!” schreien, und ja, stimmt schon, die Grundidee mag ident sein. Doch was beim Nicole Kidman-Grusler als “The Sixth Sense”-artiger last minute-plot twist verwendet wurde, bietet hier nun vielmehr die Ausgangsposition des Films. “Haunter” erzählt die Geschichte eines Geisterhauses aus der Sicht der Geister. Damit trotzdem auch für diese – unsere Hauptprotagonisten – eine Bedrohung da ist, wartet der Film aber mit der netten Idee auf, dass der Schrecken für die Opfer nicht nachdem sie vom bösen Geist ermordet wurden vorbei ist, sondern sie vielmehr danach dazu verdammt sind, den letzten Tag ihres Lebens in einer Art Vorhölle immer wieder und wieder zu durchleben. Lisa (Abigail Breslin) ist die Einzige, die sich bewusst ist, dass es sich bei ihr und ihrer Familie um Geister handelt – die an den Ort ihres Todes gebunden sind. Zusätzliche Spannung erzeugt der Film durch die neuen Eigentümer des Hauses (wo David Hewlett zu seinem obligatorischen Gastauftritt kommt), die zu den nächsten Opfern des bösen Geists zu werden drohen. Die schauspielerischen Leistungen sind durch die Bank gut, wobei vor allem “Little Miss Sunshine” Abigail Breslin gefällt. Sie mag keine Chloe Grace Moretz oder gar eine der beiden Fanning-Schwestern sein, zeigt aber erneut eine sehr überzeugende, natürliche Performance. Visuell gesehen ist “Haunter” vielleicht nicht ganz so interessant wie andere Natali-Filme, nach dem diesbezüglich doch überwiegend gewöhnlichen “Splice” (wobei mein diesbezüglicher Eindruck auch der abgefuckten Filmkopie mit der ich damals – kurz vor der endgültigen Umstellung aufs Digitalkino – konfrontiert wurde; da hat man uns nach Österreich wohl nur mehr die Abfallprodukte aus Deutschland geschickt, wo der Film einige Wochen früher gezeigt wurde), aber dennoch sieht auch sein jüngster Film wieder sehr gut aus. Zudem gelingt es ihm, eine nette, bedrohliche, gruselige Atmosphäre aufzubauen.

Ich mag solche “Gruselfilme” einfach, wenn sie gut gemacht sind. Und “Haunter” ist gut gemacht. Eine nette Story mit der einen oder anderen originellen Idee (allen voran natürlich, den üblichen Geisterhaus-Film quasi auf den Kopf zu stellen), zahlreichen gelungenen Szenen, guten schauspielerischen Leistungen, einer dichten Atmosphäre und einigen netten Bildern. Ein richtig schöner Film, um den geneigten Zuschauer einen gruselig-kalten Schauer über den Rücken jagen zu lassen. Meinen Geschmack hat “Haunter” jedenfalls – vielleicht vom etwas kitschigen Ende abgesehen – voll und ganz getroffen, und bei einem regulären Kinorelease würde ich darüber nachdenken, ihn mir noch einmal im Lichtspielhaus anzusehen (die Blu Ray ist ohnehin schon vorgemerkt).
8/10

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