Ich /slash mich weg – Tag 7: Antiviral

“Antiviral” ist sehr “Cronenbergian” – was einen vor allem dann nicht überrascht, wenn einem bewusst ist, dass er von Brandon Cronenberg, seines Zeichens Sohn von David, geschrieben und inszeniert wurde. Dieser setzt sich in seinem Debütfilm sehr kritisch mit dem Celebrity-Wahn auseinander – wobei ich offen gestehen muss, dass es mir eher schwer fiel, das Grundkonzept seines Films zu schlucken. Wenn er uns darin die Entwicklung vom heutigen Personenkult – von TMZ über Stars-Tracker bis hin zu Jugendlichen die in den Eigenheimen ihrer Stars einbrechen (siehe “The Bling Ring”) – zu jenem Extrem geschildert hätte, in dem es in “Antiviral” geht – nämlich sie die Krankheiten der verehrten Stars injizieren zu lassen – hätte es bei mir vielleicht funktioniert. Aber so war mir das ein zu großer, extremer Sprung, den ich – wohl da ich dieser ganzen Celebrity-Kult ohnehin nur bedingt etwas anfangen kann – nicht nachvollziehen konnte. Dementsprechend schwer fiel es mir, mich auf “Antiviral” einzulassen.

Von diesem nicht unerheblichen Manko abgesehen hat mir “Antiviral” aber ganz gut gefallen. Vor allem die Gestaltung der Sets, bei denen klinisches weiß dominierte, stach für mich hervor. Zudem reicherte Brandon Cronenberg den Film mit einigen anderen Ideen – wie virtuellen Simulationen der Stars, die dann für einen machen was immer man will – an, mit denen ich schon deutlich mehr anfangen konnte. Getragen wird der Film zudem von einer phantastischen Performance von Caleb Landry Jones, und dank des Plots rund um den Diebstahl und illegalen Verkauf von Krankheiten blieb der Film auch durchaus spannend und unterhaltsam. All diese positiven Aspekte ändert nur halt leider auch nichts daran, dass ich in die Welt von “Antiviral” – die zuletzt zudem noch einen weiteren seltsamen, abgefahrenen Haken schlägt – nie so recht eintauchen konnte, und das Geschehen dementsprechend doch eher mit klinisch-akademischem Interesse verfolgte.
5/10

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3 Responses to Ich /slash mich weg – Tag 7: Antiviral

  1. kalafudra says:

    Interessant. Ich bin bei weitem auch keine Celebrity-Kultlerin, aber genau deswegen hat der Film für mich so gut gewirkt. Denn das, was die da aufführen, ist auch nicht viel absurder als die Art und Weise wie Paparazzi den Stars hinterherrennen und nicht in Ruhe lassen, der von dir schon erwähnte Bling Ring, Stalker etc. Im Gegensatz zu dem, was wir heute haben, ist in der Welt von Antiviral zumindest von allen Seiten Zustimmung da: der Star gibt seine Krankheiten freiwillig her, der Normalo lässt sich freiwillig infizieren etc.
    Natürlich ist es eine Überspitzung, aber eine Überspitzung, die einen total interessanten Kommentar auf die eigentlich genau so überspitzten heutigen Verhältnisse abgibt.

    Wobei, wenn ich mir so anschau, was ich da schreib, ist es wahrscheinlich eh wieder ein klinisch-akademische Analyse. Nur, dass mir das extrem viel Spaß gemacht aht.

    • Das mit der klinisch-akademischen Analyse war nicht (ab)wertend gemeint. Und es ist jeder anders, und sieht jeder anders. Aber so schön so mancher cineastischer Denksport auch sein kann, mir geht es in erster Linie darum, im Kinosaal etwas zu FÜHLEN. Und eben dies ist “Antiviral” bei mir halt leider nicht gelungen.

      • kalafudra says:

        Hmm, also ich war emotional schon dabei. Nur halt weniger in Identifikation mit der Hauptfigur, als in Identifikation mit der Kritik des Filmemachers. Aber ich fand’s auf jeden Fall spannend und wollte wissen, wie’s weitergeht und was ihnen noch alles einfällt und obwohl Syd jetzt echt nicht so der Megasympathieträger war, wollt ich doch irgendwie, dass er mit allem durchkommt.

        Kurz gesagt, ich war emotional voll drin. 🙂

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