Ich /slash mich weg – Tag 2: The Battery

Untote haben das Kino zwar quasi seit Anbeginn begleitet (Wikipedia listet “Das Kabinett von Dr. Caligari” aus 1920 als den ersten entsprechenden Film), doch erst George A. Romeros “Night of the Living Dead” hat das moderne kulturelle Bild von Zombies geprägt, und eine Lawine an Zombie-Filmen ausgelöst. Und auch wenn uns die letzten Jahre immer aufwändigere Filme des Genres gebracht hat – der diesbezügliche Höhepunkt, was den finanziellen Aufwand betrifft, war wohl “World War Z” – ist es vor allem auch für junge Regisseure eine Spielwiese, da sich ein guter Zombie-Film mit vergleichsweise wenig Mitteln umsetzen lässt. In erster Linie braucht man eine gute Make Up-Abteilung, die sich um die Zombies und die Gore-Effekte kümmert. Dennoch hätte ich nicht gedacht, dass sich heutzutage noch ein Genre-Vertreter um – so man den offiziellen Angaben glaubt – gerade mal 6.000 Dollar umsetzen lässt. Das deckt bei größeren Filmproduktionen nicht einmal das Catering für eine Woche ab! “The Battery” zeigt darüber hinaus, was mit vergleichsweise geringen finanziellen Mitteln aus dem Genre immer noch herauszuholen ist. Natürlich darf man sich hier keine Horden von Zombies erwarten, dennoch gibt es – vielleicht vom Ton abgesehen, der “nur” in Stereo vorliegt – kaum Abstriche zu machen (so wurde “The Battery” sogar im Cinemascope-Format gedreht).

Angesichts der langen Geschichte des Genres könnte man annehmen, dass man mittlerweile alles gesehen hat, was es zu sehen gibt. “The Battery” belehrt einen hier eines besseren, mit einer originellen Szene, die gleichermaßen witzig wie traurig ist, und die Trostlosigkeit dieser postapokalyptischen Welt auf den Punkt bringt. Auch der Rest des Films kann sich sehen lassen, und lebt vor allem von der Dynamik zwischen den beiden früheren Baseballspielern Ben und Mickey, die weniger aus einem Gefühl inniger Freundschaft als vielmehr aus der Not heraus eine Art Zweckgemeinschaft begründet haben. Zu zweit durchs Land zu ziehen ist immer noch sicherer – und natürlich auch weniger einsam – als sich alleine durchzuschlagen. Interessant ist diese Kombination vor allem aufgrund der völlig unterschiedlichen Art und Weise, wie die beiden mit den neuen Lebensumständen umgehen. Während Ben richtiggehend aufzublühen scheint und man den Eindruck bekommen könnte, es macht ihm Spaß, den Zombies den Schädel einzuschlagen und/oder ihnen das Hirn aus dem Kopf zu schießen, lebt Mickey nach wie vor in der Vergangenheit, und verschließt seine Augen – und insbesondere Ohren, symbolisiert durch die Musik, der er fast ständig über seine Kopfhörer lauscht – vor dieser neuen Welt, da er mit ihr einfach nicht umgehen kann. Im Gegensatz zu Ben bereitet es ihm auch große Schwierigkeiten, die Zombies auszuschalten.

Zugegeben, die ganz großen Spannungsmomente sucht man bei “The Battery” überwiegend vergeblich. Erst zum Ende hin – Stichwort Auto – kommt Spannung auf, doch selbst hier wird die Stimmung noch, wie eigentlich den ganzen Film über, eher von einem Gefühl der Trostlosigkeit und Ausweglosigkeit denn echter nervenzerreißender Spannung bestimmt. Wer sich darauf einlassen kann, bekommt jedoch mit “The Battery” den untoten Beweis, dass das Zombie-Genre nach wie vor nicht ausgelutscht ist, und immer noch Raum für neue Ideen bietet. Zwei Kritikpunkte verhindern für mich allerdings eine höhere Wertung. Einerseits wird mit Anna, mit der man über Funk Kontakt aufnimmt, auf eine Gruppe von Überlebenden angespielt, die sich vermeintlich in relativer Sicherheit zusammengerottet haben. Dennoch sei ihre Gemeinschaft kein Paradies. Auch wenn ich dabei unweigerlich an “28 Days Later” denken musste, fand ich es schade, dass wir nie mehr darüber erfahren haben – habe ich doch den Eindruck, dass ein Film über diese Gruppe vielleicht doch noch etwas interessanter, spannender und (aufgrund einer ordentlichen Dosis Gesellschaftskritik) aussagekräftiger hätte sein können. Und eine Szene gegen Ende im Auto, die uns ohne Schnitt präsentiert wird, war mir viiiiiiiel zu lang. Hier habe ich mich mit der Zeit doch ordentlich gelangweilt, und entwich meinem Empfinden nach sämtliche Spannung, die sich bis dahin aufgebaut hatte. Genrefans würde ich dennoch empfehlen, sich bei Gelegenheit diesen Zwei-Mann-Regiment anzuschließen.
6/10

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7 Responses to Ich /slash mich weg – Tag 2: The Battery

  1. kalafudra says:

    Meinst du die Szene, wo Mikey dann mal weg ist? Die fand ich nämlich gar nicht zu lang, sondern hat nur die Unruhe in mir aufgedreht.
    Ich fand’s auch mal spannend, dass man eben nicht die sich zusammengerotteten, in einer absolutistischen Gesellschaft Überlebenden zu Gesicht bekommen hat. Ich hab das Gefühl, dass ich das schon mehrfach und ausführlich bekommen hab. Dass die zwei da nicht reinkommen, hat für mich überhaupt zum Generellen Realismus, den mich der Film hat spüren lassen, beigetragen.

    • Ja genau die Szene meine ich. Die hat bei mir – im Gegensatz zur Zelt-Szene aus “Willow Creek” – für mich nicht funktioniert. Dauerte einfach zu lange, und es gab IMHO auch keinen Spannungsaufbau. Im Gegenteil, ich wurde eigentlich zunehmend gelangweilt, und hab dann schon fast jegliches Interesse darin verloren, wie es nun weitergeht.

      Das die Betrachtung von dystopischen Gesellschaftsstrukturen nach einer Zombie-Apokalypse nicht sonderlich neu wäre und es das schon einige Male gab, ist unbestritten. Jedoch halte ich eben dies noch für die interessantesten Elemente an Zombie-Filmen. Und je nachdem wie man es umsetzt – und inwiefern es gelungen wäre, diesem Konzept neue Facetten abzugewinnen – hätte “The Battery” meines Erachtens schon davon profitieren können. Ich fand es halt in gewisser Weise komisch, weil so viel Zeit darauf verwendet wird, dieses “Camp” oder was-auch-immer aufzubauen, und dann gelangen die beiden nie dorthin. Da stellt sich mir rückwirkend betrachtet die Sinnfrage ;). Andererseits lädt das Ende ja förmlich zu einem Sequel ein. Möglicherweise wollte man sich das also einfach für eine potentielle Fortsetzung aufheben.

      • kalafudra says:

        Hm, also ein Sequel hätt ich da nicht unbedingt gesehen, obwohl es natürlich die Möglichkeit dafür offen lässt.
        Für mich war der Aufbau dieser Gesellschaft das Kontrastmittel für den Lone Wolf-Approach. Der Film erzählt uns sozusagen, dass – nur weil man in einer Gesellschaft ist – die Dinge nicht unbedingt besser sind. Klar haben sie offensichtlich die bessere Infrastruktur, aber mit gewissen Abstrichen kommt man irgendwie auch alleine durch. Und so kann halt das Alleinedurchkommen ausschauen.

        Das ist jetzt nicht unbedingt eine Moral, die ich so ohne Weiteres unterschreiben würde, aber es spiegelt perfekt die Moral der individualistischen, westlichen Gesellschaft wider [oder sagen wir zumindest der USAmerikanischen/konservativen Seite]: Strukturen engen ein, sie beschränken die eigene Freiheit, erst wenn man sie nicht in Anspruch nimmt, kann man wirklcih frei/man selbst sein.
        [Man kann es auch noch als Exploration des Männlichkeitsbilds sehen, von einer Generation Männer, die nicht mehr wissen, wie man “Mann ist.”]

        Deswegen fand ich es so spannend – man kann den Film wirklich gut zerlegen. Eben genau, weil er eine sehr zeitgeistige Antwort auf die althergebrachten Geschichten ist, die durch das Zombiegenre oft erzählt werden. Und es sind einfach bei weitem nicht die einzigen interessanten Geschichten, die man damit erzählen kann.

      • Dass die Konstellation in “The Battery” ihren Reiz hatte, steht außer Frage ;-). Ich mag nur halt wie gesagt so dystopische Gesellschaftsvisionen bzw. -strukturen, wie man sie gerade in diesem Genre häufig antrifft. Und wenn man die beiden ins Camp gebracht hätte, hätte man beides liefern können ;-). Im übrigen scheint ein Sequel wo es dann eben um die besagte “geschlossene Gesellschaft” geht zumindest angedacht zu sein, sofern man dem IMDB Message Board glauben darf.

        Gute Analyse, übrigens :-). Ich muss mir glaub ich dein Review nochmal in Ruhe zu Gemüte führen…

      • kalafudra says:

        Danke zum Analyselob, allerdings ist die Analyse schon ausführlicher als meine Review, wo ich mich mehr auf den emotionalen Eindruck und die technische Filmemacherseite verlegt habe, als die Interpretation der Metaphern…

        Tatsache, auf dem Message Board wird gemunkelt? Vielleicht sollt ich die Dinger doch ab und an mal lesen… 😉

      • Schade eigentlich, gerade deine Interpretationen finde ich oft wahnsinnig interessant :).

        Hab mal den Link rausgesucht, wo sogar einer der Mit-Produzenten mitpostet -> http://www.imdb.com/title/tt2272350/board/thread/216468082

      • kalafudra says:

        Vielleicht sollt ich mich darauf mehr stürzen, aber ich hab doch keine Zeit… Es ist echt ein Problem. So bleiben diese ganzen wunderbaren Theorien in meinem Kopf gefangen und so. 🙂

        Danke für den imdb-Link, klingt ja noch nicht so wahnsinnig definitv. Mal schauen, was da noch rauskommt!

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